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Bundesverdienstkreuz für den ehemaligen KZ-Häftling Anton Jez aus Ljubljana/Slowenien

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Als 18-jähriger Schüler war der Slowene Anton Jez im Februar 1944 verhaftet worden, weil er als Mitglied einer Befreiungsorganisation gegen die deutsche Besatzung kämpfte. Nach zunächst vier Wochen Quarantäne im Konzentrationslager Dachau kam er zusammen mit 55 weiteren Slowenen im Mai 1944 in das Außenlager Neuaubing/Germering. Dort war Anton Jez für die Dornier Werke München mit dem Ausbau von Splittergräben und einem unterirdischen Luftschutzbunker sowie bei der Beseitigung von Trümmern nach Luftangriffen eingesetzt worden. Die Arbeit in München war im September 1944 beendet und die Häftlinge kamen in ein neues Arbeitskommando nach Aufkirch/Überlingen. Zusammen mit 300 Häftlingen aus Germering und weiteren 300 Russen wurde nun unter großem Arbeitsdruck ein Stollen für die Friedrichshafener Industrie in den Berg getrieben. Von den geplanten 100.000 qm waren bei Kriegsende 12.000 qm fertig gestellt. Eine Produktion konnte im Stollen nicht mehr aufgenommen werden.
Die Häftlinge wurden Ende April 1945 in das Konzentrationslager nach Allach/Dachau transportiert und bei Kriegsende von der US-Armee befreit. Anton Jez kehrte in seine Heimatstadt Ljubljana zurück, wo er als pensionierter Diplom Ingenieur mit seiner Familie noch heute lebt.
Seit vielen Jahren setzt sich Anton Jez als Redner, Publizist, als Zeitzeuge auch in Schulklassen dafür ein, dass die Geschehnisse insbesondere beim Bau des Goldbacher Stollens nicht in Vergessenheit geraten. Rückblickend stellt sich Anton Jez dabei immer wieder die Frage, warum es im KZ Neuaubing keine Diskriminierung und Erniedrigung durch das Lagerpersonal gegeben hat und im Vergleich dazu im KZ Aufkirch/Überlingen ein Inferno an unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschte, bei dem fast die Hälfte der Lagerbesatzung von 800 Mann umkam.

Zur Eröffnung des Dornier Museums hatte die Familie Dornier den Slowenen Anton Jez und seinen Sohn Dusan eingeladen und es kam zu einem freundschaftlichen Treffen sowohl mit Herrn Silvius als auch Herrn Cornelius Dornier. Ein Glückwunsch von Herrn Silvius Dornier wurde in der Residenz des Botschafters beim Festakt der Ordensverleihung vorgelesen.
Der deutsche Botschafter, Werner Burkart, sagte bei der Verleihung des Ordens: „Von all den Ordensauszeichnungen, die ich im Laufe meiner Berufstätigkeit verleihen durfte, ist die Ihnen verliehene sicherlich die am meisten verdiente. Für Ihr Wirken für die Aussöhnung mit Deutschland bezeuge ich Ihnen meinen Respekt und meine Hochachtung.“

Foto privat Dusan Jez: Anton Jez mit dem Bundesverdienstkreuz, dem deutschen Botschafter Werner Burtkart und seine Frau Anny in Laibach/Ljubljana am 10. April 2012
Foto privat Dusan Jez: Herr Silvius Dornier, Anton Jez und Christa Tholander bei der Eröffnung des Dornier Museums am 23. Juli 2009.

Literatur Christa Tholander: „KZ Neuaubing/Germering – ein ungewöhnliches Dachauer Kommando“. Ausländische Arbeitskräfte in der Zeit des Zweiten Weltkriegs bei den Dornier-Werken in Friedrichshafen, in: Zeppelins Flieger, Das Flugzeug im Zeppelin-Konzern..., Hg: Zeppelin Museum, Tübingen 2006, S. 270 – 295, Anton Jez S. 290 - 294.

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